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Elterninitiative
SINN e.V.
aktualisiert am:
22.08.2010

Unser größtes Kapital
Die Schule des 21. Jahrhunderts

Was ist das größte Kapital unseres Landes?

Die Menschen. Was macht sie zu solch großem Kapital? Charakter und
Persönlichkeit, gereift durch gute Erziehung und Ausbildung. So weit sind
wir uns einig, oder?

Wetten, dass wir als Eltern, Unternehmer, Professoren, Führungskräfte
oder Politiker auch Einigkeit darüber erzielen würden, wie eine Schule
auszusehen hätte, die unsere Kinder als zukünftige Bürger/-innen unserer
Republik optimal erzieht bzw. ausbildet? Versuchen wir es doch mal.

Die Schule des 21. Jahrhunderts

... erzieht zu Neugier und ist kein Nürnberger Trichter,

... fragt eher „Was weißt du noch nicht?“ als „Was weißt du?“,

... fördert das laterale Denken und nicht die Autobahnen im Kopf,

... stellt Kreativität als Wert über den von Normenerfüllung und
    Standardisierung,

... vermittelt Erfahrung und Wissen durch konkrete Fallbeispiele,

... arbeitet viel mit Simulationen, die von Jugendlichen geliebt werden,
    wie die Verkaufserfolge von PC-Managementspielen für Fußball-
    vereine, Gemeinden, Privathaushalte oder Vergnügungsparks zeigen,

... richtet sich eher nach den aktuellen Interessen der Schüler/-innen als
    nach starren Lehrplänen,

... bietet neben dem klassischen Fächerkanon praxisnahe Module zu
    Themen wie Ernährung, Recht, Versicherung, Finanzen, Börse,
    Bewerbung, Medien oder sogar Umgang mit Menschen,

... führt sehr früh an Fremdsprachen heran,

... nimmt die Schüler ernst in ihren Fragen an das Leben,

... fokussiert stärker auf Teamarbeit als auf Einzelleistung,

... überlegt sich genau bei der Erstellung des Lehrplans, wie viel denn
    wirklich im Gedächtnis bleibt, wie viel man zur Bewältigung des
    praktischen Lebens braucht und wie viel überhaupt in 25 Jahren
    noch gelten wird – und verzichtet daher klug auf vieles,

... hat im Rahmen des entschlackten Lehrplans immer Zeit für
    Spontaneität und Freiarbeit,

... fördert gesellschaftliches und soziales Engagement über das
    egoistische Interesse und die eigene Karriere hinaus,

... schafft komplexe Verbindungen ins reale Leben,

... steht in engem Dialog mit der Wirtschaft – durch Praktika,
    Gastvorträge, Führungen etc.,

... vermittelt früh konkretes und praxisnahes Wissen über attraktive
    Berufswelten durch Einbeziehung von Männern und Frauen aus
    der Praxis (wer von Ihnen stünde nicht ab und zu für einen
    Vortrag über den eigenen Beruf zur Verfügung?),

... gibt den Schülern/Schülerinnen ein realistisches Gefühl für die
    anzunehmende Nachfragesituation verschiedener Ausbildungsgänge
    und Berufsbilder – sodass sich Deutschland seine Computer- und
    Internetexperten in Zukunft nicht mehr aus dem Ausland holen muss,

... steht in enger Partnerschaft mit ausländischen Institutionen und Schulen
    und wird so zum Fenster zur Welt (Austauschprogramme, Chatrooms,
    E-Mail-Kontakte, Studienreisen etc.),

... hat einen Aufsichtsrat von Praktikern,

... ist vernetzt mit der Welt durch vielfältigen Internetgebrauch,

... vermittelt gute Grundkenntnisse im Umgang mit dem PC auch denen,
    die ihren Lehrern hier nicht ohnehin überlegen sind,

... schafft es, dass immer wieder junge
    Lehrer/-innen mit leuchtenden Augen und frischen Idealen dazukommen,
    ermöglicht es aber gleichzeitig durch Sabbaticals und Fortbildung, dass
    auch die älteren Kollegen nicht ausbrennen,

... ermöglicht Elitebildung durch Förderprogramme und Individualisierung,
    ohne die Chancen der anderen dadurch zu verringern,

... bietet ausreichend Sport und Bewegung,

... lässt Kunst und Musik nicht unter die Räder der reinen Effizienz kommen,

... bezieht die Eltern kreativ in den Lernprozess ein und nimmt ihren
    Input ernst,

... stellt sich dem Wettbewerb mit anderen Schulen,

... bietet ihren Schülern/Schülerinnen die Chance, erste unternehmerische
    Schritte zu machen – etwa in Bereichen wie Schulhofversorgung,
    Veranstaltungsorganisation oder Materialbeschaffung,

... bemüht sich um direkte und sinnliche Erfahrbarkeit der Lehrinhalte
   durch Exkursionen, Feldversuche und Außenkontakte,

... lehrt das Lernen – und zwar lebenslang.

Hätte ich die Wette gewonnen? Stimmen Sie den meisten der
Forderungen zu? Das freut mich.

Nur müssen wir all das als richtig Erkannte auch umsetzen.
Und das scheint in unserem komplexen föderalen Schulsystem mit
seinen engen Budgetgrenzen schwierig.

Ich weiß: Aus der Entfernung ist so etwas leicht gefordert, und viele
exzellente Lehrer/-innen und Schulen realisieren längst viele der
Idealvorstellungen. Aber das sollte uns nicht den Blick vernebeln
für die normale Wirklichkeit.

An der muss gearbeitet werden, sonst verlieren wir international
unsere Wettbewerbsfähigkeit.

In den langen Jahren des Schulbankdrückens werden Erfolge wie
Misserfolge vorbereitet, werden selbstbewusste und gestaltungsstarke
Persönlichkeiten genauso gemacht wie unsichere und angepasste
Auftragserfüller. Und jedes Mal ist es eine persönliche (wie auch
volkswirtschaftliche) Tragödie, wenn ein Junge oder Mädchen aus
Unsicherheit oder Unkenntnis heraus jahrelang auf einen Beruf hin lernt,
den er oder sie nie ausüben können wird.

Setzen wir die Schule ganz oben auf unsere Tagesordnungen!
Unser größtes Kapital muss optimal gefördert werden!


Autor: Dr. Florian Langenscheidt, Grundsatzrede 30. April 2002

http://www.florian-langenscheidt.de

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