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SINN e.V.
aktualisiert am:
28.11.2011

Expertise "Zur Entwicklung von nationalen Bildungsstandards"
Die Expertise "Zur Entwicklung von Bildungsstandards" ist ein Gutachten, das unter der Leitung von Prof. Dr. Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für internationale Pädagogische Forschung (DIPF), verfasst wurde. Darin unterbreiten die Autoren Vorschläge für die:
  • Konzeption von Bildungsstandards
  • Weiterentwicklung von Schule und Unterricht
  • Lehrplanentwicklung
  • Bildungsmonitoring
  • Evaluation

Zusammenfassung:

Nationale Bildungsstandards formulieren verbindliche Anforderungen an das Lehren und Lernen in der Schule. Sie stellen damit innerhalb der Gesamtheit der Anstrengungen zur Sicherung und Steigerung der Qualität schulischer Arbeit ein zentrales Gelenkstück dar. Bildungsstandards benennen präzise, verständlich und fokussiert die wesentlichen Ziele der pädagogischen Arbeit, ausgedrückt als erwünschte Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler. Damit konkretisieren sie den Bildungsauftrag, den Schulen zu erfüllen haben.
Bildungsstandards greifen allgemeine Bildungsziele auf. Die Bildungsstandards legen fest, welche Kompetenzen die Kinder oder Jugendlichen bis zu einer bestimmten Jahrgangsstufe mindestens erworben haben sollen.
Die erste Funktion der Bildungsstandards besteht in der Orientierung der Schulen auf verbindliche Ziele. Lehrkräfte, aber auch Lernende und deren Eltern können sich darauf bei der pädagogischen Weiterentwicklung von Schule und Unterricht beziehen.
Eine zweite Funktion der Bildungsstandards besteht darin, dass auf ihrer Grundlage Lernergebnisse erfasst und bewertet werden.

Die bisherigen Arbeiten in den Ländern und in der KMK bilden einen guten Ausgangspunkt. Aufgaben der näheren Zukunft sind vor allem die fachdidaktische Vertiefung in Kompetenzmodellen, die Festlegung von Mindeststandards, die Entwicklung von Aufgabenpools und Testverfahren sowie die Implementation an den Schulen. Es wird betont, dass die verbindliche Festsetzung der Standards und die standard-bezogene Evaluation von Schulen Angelegenheit der einzelnen Länder sind. Für die Entwicklung von Standards und Tests sowie das (nationale) Bildungsmonitoring - das an PISA und andere internationale Untersuchungen gekoppelt werden könnte - schlägt die Expertise jedoch den Aufbau einer nationalen Agentur vor.


BMBF, Berlin, 18.02.2003


GEW-Stellungnahme zur Expertise der Bildungsforscher

Berlin/Frankfurt am Main – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die von Bildungsexperten vorgestellte Expertise zur Entwicklung von nationalen Bildungsstandards. Sie "können die Grundlage für die verstärkte individuelle Förderung in unserem Schulsystem sein", stellte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange im Anschluss an die von Prof. Dr. Eckhard Klieme (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung/DIPF) präsentierte Studie in Berlin fest.

Mit Bildungsstandards würde der Erwerb von verbindlichen Kompetenzen in den Mittelpunkt des Bildungsprozesses gestellt. Dies führe zu einer grundsätzlichen Veränderung gegenüber Lehrplänen und Curricula.
Wörtlich sagte Stange: "Künftig wird nicht mehr im Vordergrund stehen, was durchgenommen wurde, sondern welche Kompetenzen Kinder in einem bestimmten Alter erworben haben." Wenn vorgeschriebene Mindeststandards nicht erreicht würden, müsse nach den Ursachen gesucht und entsprechende Fördermaßnahmen eingeleitet werden.

Zu einem solchen Konzept aber passe nicht länger ein System der frühen Auslese wie in Deutschland. Die GEW unterstütze deshalb die Feststellung der Wissenschaftler, die Funktion der Bildungsstandards nicht in einer Verstärkung des individuellen Leistungs- und Selektionsdrucks auf Schülerinnen und Schüler zu sehen. Im internationalen Vergleich würden Schüler in Deutschland ohnehin mehr Leistungsdruck als Unterstützung wahrnehmen, hatten die Bildungsexperten um Prof. Klieme in ihrem Gutachten festgestellt.

Bildungsstandards seien weder für die "individuelle Benotung, Zertifizierung und Auswahl, noch für die Zentralisierung von Prüfungen geeignet", erläuterte Stange. Schon gar nicht ließen sie sich für ein Schulranking ausschlachten.
In diesem Zusammenhang kritisierte die GEW-Vorsitzende die Ankündigung von KMK-Präsidentin Karin Wolff (CDU), an "den Gelenkstellen" des deutschen Schulsystems und dem Zeitplan zur Entwicklung von Bildungsstandards festhalten zu wollen.

Es gebe inzwischen keinen ernst zu nehmenden Bildungsforscher mehr in Deutschland, der keine Probleme mit der frühen Selektion "in unserem Schulwesen" hat, erläuterte die GEW-Vorsitzende. Wenn die KMK weiterhin "hartnäckig Ideologie vor Einsicht" stelle und in der anstehenden Diskussion über die Erarbeitung von Bildungsstandards die Strukturfrage tabuisiere, müsse "die Grundsatzfrage der Schulstruktur wieder auf die Tagesordnung der bildungspolitischen Diskussion". "Die GEW ist nicht bereit, weitere Schülergenerationen in einem international drittklassigen Schulsystem zu benachteiligen", sagte die GEW-Vorsitzende.

Stange appellierte an die Kultusminister, dem Rat der Gutachter zu folgen und einen angemessenen Zeitraum für die Erarbeitung von Bildungsstandards einzuräumen. Alle Beteiligten - gesellschaftlichen und beruflichen Gruppen - müssten einbezogen werden, um eine breite Akzeptanz zu erstellen.
Zunächst müsse ein gesamtgesellschaftlicher Konsens über Bildungsziele hergestellt werden. Erst dann könnten in Zusammenarbeit mit den Bildungsexperten konkrete Kompetenzmodelle für Inhalte und Altersstufen definiert und erprobt werden.


Expertise zum Downloaden: hier (146 Seiten)

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