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aktualisiert am:
28.11.2011

OECD kritisiert deutsches Bildungssystem scharf

Hörsaal an der Dortmunder Universität (Foto: ddp)
Hörsaal an der Dortmunder Universität (Foto: ddp)
Deutschland fällt trotz der an Schulen und Hochschulen eingeleiteten Reformen mit seinem Bildungssystem im internationalen Vergleich immer weiter zurück. Dies geht aus dem neuen weltweiten Bildungsreport der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Drei Jahre nach dem Pisa-Schock stellen die Experten Deutschland damit erneut ein schlechtes Zeugnis aus.

Grafik Bildung im internationalen Vergleich

Investitionen reichen nicht
Die Experten bemängeln, dass hierzulande zu wenig Geld in diesen Bereich gesteckt wird. Nur 9,7 Prozent der öffentlichen Ausgaben seien zu wenig. Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit beinahe das Schlusslicht. Nur in der Slowakischen und in der Tschechischen Republik wird noch weniger in Bildung investiert. Die Folgen sind überall spürbar - sowohl in den Kindergärten und Grundschulen als auch in den Universitäten.

Schüler lösen in einer Grundschule in Hannover eine Aufgabe im Mathematik-Unterricht (Foto: ddp)
Schüler lösen in einer Grundschule in Hannover eine Aufgabe im Mathematik-Unterricht (Foto: ddp)
Schulklassen zu groß
So sind in der Bundesrepublik die Schulklassen erheblich größer als in erfolgreichen Bildungsnationen. Auch haben die Schüler hier deutlich weniger Unterrichtsstunden als in vielen anderen Industriestaaten. Dafür sind die deutschen Lehrergehälter erheblich höher. Nach wie vor werden zu wenig Abiturienten und Akademiker ausgebildet.

Zu wenig Studienabschlüsse
Auch bei den Hochschulabschlüssen erzielt Deutschland nur magere Ergebnisse: Mit Österreich, der Schweiz und der Tschechischen Republik gehört die Bundesrepublik zur Gruppe jener Länder, in denen weniger als 20 Prozent eines Jahrgangs einen Hochschulabschluss erreichen. Die Vergleichswerte für Australien, Finnland, Island und Polen liegen bei über 40 Prozent.

Lob für Ganztagsschulen
Der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher machte für das schlechte Ergebnis vor allem den "Stillstand" in der deutschen Bildungspolitik der 80er und 90er Jahre verantwortlich. Zwar sei jetzt eine Trendwende eingeleitet, doch andere Staaten marschierten noch schneller voran. Den vom Bund mit einem Vier-Milliarden-Euro-Programm geförderten Ausbau der Ganztagsschule bezeichnete Schleicher als "entscheidendste Reform".

"Bildung auf einen Blick 2004"
Die Organisation legte am Dienstag zeitgleich in Paris und Berlin ihren neuen Bildungsreport vor. Die Studie mit dem Titel "Bildung auf einen Blick 2004" wurde Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und dem Vize-Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Brandenburgs Bildungsminister Steffen Reiche (SPD), übergeben.

Schavan reagiert verstimmt
Baden-Württembergs Kultusministerin Annette Schavan ärgerte sich über den Bericht. "Das systematische Schlechtreden von Bildung in Deutschland diskreditiert die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer, die mit hoher Motivation Neuerungen umsetzen", betonte die CDU-Politikerin. Sie verwies auf die von der KMK vereinbarten Bildungsstandards und die Herabsetzung des Einschulungsalters.

OECD
Education at a Glance 2004
OECD Briefing Notes for Germany
Kurzfassung in deutscher Sprache (PDF-Datei)

GEW-Hauptvorstand, Pressemitteilung
GEW fordert unabhängige Bildungsberichterstattung und Qualitätsagentur
Konzertierte Aktion statt föderaler Kleinstaaterei - OECD-Studie stellt Bildungspolitik schlechtes Zeugnis aus

Bertelsmann-Stiftung
„OECD-Studie Education at a Glance“: Mehr Geld alleine ist nicht genug
Bertelsmann Stiftung fordert neue Prioritäten in der Bildungsfinanzierung und größeren Entscheidungsspielraum der Bildungseinrichtungen

Anna Lehmann und Christian Füller, taz (15.09.04)
Deutschland verfehlt Klassenziel
Das deutsche Bildungssystem hat im internationalen Vergleich enormen Nachholbedarf. Auf der Strecke bleiben immer noch sozial Schwache

Gleichmacherei schafft Eliten
Neue OECD-Studie zeigt den Bildungsrückstand deutscher Schulen auf. Gründe liegen bei veraltetem System und zu geringen Investitionen. Ministerin Bulmahn für „Gemeinschaftsschule“

DIE WELT (15.09.04)
Aus für das dreigliedrige Schulsystem?
Bildungspolitiker fordern eine radikale Reform des Bildungssystems. Ruf nach einer „Schule für alle“ wird lauter

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